DIE REDNER: „response.UN.ability“*
ab 30. Januar 2010, 19 Uhr 30 (UA)
›››› Saarländisches Staatstheater
›››› weitere Aufführungstermine ›››› Sa 6. Februar / Mi 10. Februar / So 14. Februar / Fr 26. Februar / So 28. Februar / Mi 24. März / Di 30. März / Do 1. April / Sa 17. April / So 9. Mai / So 16. Mai / Di 18. Mai / Sa 19. Juni / So 27. Juni
Infos und Karten-Reservierung unter
Telefon +49/681 – 3092–486
www.saarlaendisches-staatstheater.de
aktuelle Presse:
"Nicht jedes Stück des Staatstheater-Tanzabends "Krieg und Frieden" erreichte das außerordentliche Niveau von 'response.UN.ability'. [...] Der Mix aus Live-Musik, Video-Bildern und politischem Wort erwies sich als Glücksfall: originell, anspruchsvoll, visuell berauschend. Saxophon, (Claas Willeke) Bass-Gitarre (Florian Penner) und Trommeln (Oliver Strauch, Bernhard Wittmann) geben den intensiven, durchdringenden Grund-Tonus vor. Wir hören die bewegte Stimme von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. 1977, kurz nach dem Schleyer-Mord der RAF. Schmidt fragt nach Verantwortung und Schuld im Kampf gegen den Terror. Und gibt die Antwort: 'Demokratie bedeutet Humanisierung im Umgang mit der Macht.'
Diese brillante intellektuelle Lehr- und Sternstunde wird gegengeschnitten mit krasser Terror-Realität. Eine Bundeswehrärztin berichtet, wie sie 2003, nach einem Selbstmordattentat in Kabul, Identifikations-Nummern auf Körperreste notiert. Ihre und Schmidts Worte schwimmen in einem hochartifiziellen Kunstraum, in dem riesenhafte Tänzer über vier Leinwände fliegen, deren Sequenzen sich überlappen oder spiegeln. Dass Donlon dieser unkonventionellen Arbeit das Tor zum 'Großen Haus' aufstößt, verdient als programmatische Positionierung höchsten Respekt. Nach dieser exzellenten Leistung am Samstag gar Jubel."
Cathrin Elss-Seringhaus / Saarbrücker Zeitung / 01.02.2010
"Ganz große Klasse -- allein dafür lohnt sich der Besuch dieses Tanzabends."
Barbara Grech / SR3 / 31.01.2010
das Projekt:
In ihrem neuen Projekt stellen „DIE REDNER“ die Frage nach Verantwortung und Möglichkeiten:
die Verantwortung und Möglichkeiten des Staates, einer Gesellschaft und die des Individuums im Angesicht einer realen inneren oder äußeren (Terror-) Bedrohung.
Mit den immer wiederkehrenden terroristischen Aktivitäten, ehemals national, heute global, stellen sich die immer gleichen Fragen:
- Wer entscheidet über Aktion/Re-Aktion? Staat, wir, Individuum?
Welche Form der Aktion und Reaktion wird überhaupt diskutiert?
Wird diskutiert? Wie wird diskutiert?
Wer trägt die Verantwortung?
Wer ist überhaupt in der Lage, die Verantwortung zu tragen?
Wer führt die Entscheidungen aus? Und wie?
Helmut Schmidt hat in seiner eindrücklichen und emotionalen Rede am 20.10.1977, kurz nach dem Tod von Hanns Martin Schleyer, all diese Fragen am Fall RAF/Schleyer gestellt. Antworten liegen neben dem Inhaltlichen vor allem im Menschlichen, ausgedrückt durch Tonfall, Duktus und hör- und spürbaren Zweifel an jeder sinnvollen Möglichkeit, mit dieser Situation und dieser Form der „Auseinandersetzung“ umzugehen. Handeln oder Nicht-Handeln, das Ergebnis ist unabsehbar, die Verantwortung bleibt...
Heike Groos, Bundeswehrärztin, stellt die gleichen Fragen knapp 30 Jahre später. Sie war die verantwortliche Ärztin vor Ort beim Selbstmordanschlag 2003 auf den deutschen Bus, der ca. 20 Soldaten nach Beendigung ihrer Dienstzeit in Kundus zum Flughafen fahren sollte. Auch dort die Frage nach der Verantwortung, der UnMöglichkeit, „richtig“ zu handeln; danach, warum der General eigentlich nichts davon wissen will, dem Sinn... Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan, zwischen Antiterrorkampf ― Taliban „verdrängen“ ― Aufbauhilfe... Kriegsähnlicher Einsatz, worum geht es doch gleich?
Diese beiden im O-Ton hörbaren Rede-Dokumente, das eine historisch, das andere exklusiv für „DIE REDNER“ im Interview aufgenommen, bilden die Grundlage für „response.UN.ability“. Choreographien von TänzerInnen der Donlon Dance Company, gefilmt und in „Rednermanier“ auf Leinwand gebracht, beschäftigen sich mit den gleichen Fragen, setzen diese um in Bewegung und Ausdruck. Gemeinsam mit „REDNER-Musik“, teils inspiriert von afghanischer Rhythmik, entsteht ein dichtes und inhaltlich zeitloses Werk; in der Hoffnung, einen Beitrag zu der lange Zeit nicht geführten Diskussion um den Einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch zu leisten.
DIE REDNER: Oliver Strauch, Claas Willeke, Florian Penner, Bernhard Wittmann
Choreographie: Youn Hui Jeon, Meritxell Aumedes Molinero
Licht: Fred Pommerehn
Kostüme: Markus Maas
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*„response.UN.ability“ ist Bestandteil des vierteiligen Tanzabends „KRIEG UND FRIEDEN“ der Donlon Dance Company (DDC).
Vier Werke, darunter zwei Uraufführungen, stehen auf dem Programm dieses kontrastreichen neuen Ballettabends über Krieg und Frieden in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Abend mit Tanz, Livemusik und Film, der Fragen aufwerfen, aber auch Hoffnung und Zuversicht vermitteln wird.
- In ihrem neuen Stück „Footprints" unternimmt Ballettdirektorin Marguerite Donlon zusammen mit den Tänzerinnen und Tänzern und einer Gruppe von Menschen über 70 eine Reise zu Kriegserlebnissen der Vergangenheit.
- Mit Kriegserlebnissen der Gegenwart beschäftigt sich die Saarbrücker Performance-Gruppe DIE REDNER. Sie thematisiert in „response.UN.ability“ aktuelle Erlebnisse des "Krieges gegen den Terror" und stellt die Frage nach der Verantwortung jedes einzelnen Menschen sowie der unserer Gesellschaft. In die Arbeit sind so unterschiedliche Elemente wie eine Originalrede von Helmut Schmidt, der Bericht eines Augenzeugen der Bundeswehr sowie Filmaufnahmen mit den Tänzern der Donlon Dance Company eingeflossen.
- Marguerite Donlons neue Choreografie „43.1 – über die Mauer", die beim Festakt zum 3. Oktober 2009 anlässlich der 20-Jahr-Feier zur deutschen Wiedervereinigung vor geladenen Gästen gezeigt wurde, wird erstmals im Saarländischen Staatstheater einem öffentlichen Publikum präsentiert.
- Den Abschluss des vierteiligen Abends bildet eines der berühmtesten deutschen Ballette, Kurt Jooss‘ legendäres und zeitloses Anti-Kriegs-Ballett „Der Grüne Tisch" aus dem Jahr 1932, das im gleichen Jahr in Paris mit dem 1. Preis des Internationalen Choreografie-Wettbewerbs ausgezeichnet wurde. Seitdem wurde es vielfach auf der ganzen Welt aufgeführt.

