Michael Gielen-Festival

Michael Gielen 
Festival zum 80. Geburtstag
19. bis zum 21. Juni 2007

Netzwerk Musik Saar in Zusammenarbeit
mit der Hochschule für Musik Saar
und dem Saarländischen Rundfunk

Netzwerk Musik Saar veranstaltet vom 19. bis zum 21. Juni 2007 eine Konzertreihe , die einen der bedeutendsten deutschen Dirigenten des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt stellen wird.


Michael Gielen feiert dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. Netzwerk Musik Saar ist der Anregung von Stefan Litwin gerne gefolgt, den großen Dirigenten im Rahmen einer Konzertreihe zu würdigen und dabei insbesondere einige seiner Kompositionen vorzustellen.

Gielens Verbindung mit dem Saarland geht bis in die siebziger Jahre zurück: Er hat die Anfänge des Festivals „Musik im 20. Jahrhundert“ mitgestaltet, das noch heute, inzwischen als „Mouvement, Musik im 21. Jahrhundert“, fortbesteht. „Die Glocken sind auf falscher Spur“, eine von Gielens herausragenden Kompositionen, wurde 1970 in Saarbrücken uraufgeführt.

Wir gratulieren dem Jubilar und sind dankbar, dass er unsere Einladung angenommen hat. Seine Anwesenheit während der
Veranstaltungstage, insbesondere aber seine Mitwirkung beim Gesprächskonzert, wo er aus seinen Memoiren „Unbedingt Musik“
lesen wird, verleiht unserer Initiative eine ganz besondere Note. Ein herzliches Willkommen, verehrter Herr Gielen!

Wir freuen uns, im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe zugleich eine neu gegründete Instrumentalformation vorstellen zu können:
Das „Zeitgenössische Kammerensemble Netzwerk Musik Saar“. Wir wünschen diesem Ensemble, dem im Wesentlichen Studierende
der Instrumentalklassen der Hochschule für Musik Saar angehören, eine gute und produktive Zukunft.

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Netzwerk Musik Saar von der Zusammenarbeit mit seinen Partnereinrichtungen lebt,
diesmal der Hochschule für Musik Saar und dem Saarländischen Rundfunk. Ohne deren Bereitschaft, erhebliche künstlerische,
technische und logistische Ressourcen bereitzustellen, wäre unsere Programmarbeit nicht zu leisten.

Wir danken außerdem der Vereinigung der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Saar, dass sie eine Veranstaltung in der
von ihr angebotenen Reihe zur Verfügung gestellt hat, und auch unseren Sponsoren, deren Förderung einen wesentlichen Anteil an
der Gewährleistung der Arbeit von Netzwerk Musik Saar hat.

Dr. Heinzjörg Müller
Vorsitzender Netzwerk Musik Saar


Programm

19. Juni 2007, 20 Uhr, Funkhaus Halberg, Studio 2
Zeitgenössisches Kammerensemble Netzwerk Musik Saar
Leitung: Jonathan Kaell

Karlheinz Stockhausen: Kontrapunkte (1953)
Karolin Schmitt, Flöte Ÿ Vincent Hering, Klarinette Ÿ Rebekka Kirchner, Bassklarinette Ÿ Brisa Sallum, Fagott Ÿ Moritz Kohn, Trompete Ÿ Christian Balser Posaune Ÿ Tigran Hakhumyan, Violine Ÿ Julien Blondel, Violoncello Ÿ Katharina Hanstedt, Harfe Ÿ Young-Jin Kim, Klavier

Anton Webern: Vier Stücke für Violine und Klavier op. 7
Tanja Becker-Bender, Violine Ÿ Stefan Litwin, Klavier

Michael Gielen: Rückblick, „Serenade“ für drei Celli (1989)
Mario Blaumer, Violoncello Ÿ Florian Fischer, Violoncello Ÿ Masanori Denda, Violoncello

Pause

Michael Gielen: Variationen für Streichquartett (1949)
Tanja Becker-Bender, Violine Ÿ Anna Kudryavtseva, Violine Ÿ Jone Kaliunaite, Viola Ÿ Julien Blondel, Violoncello

Anton Webern: Drei kleine Stücke für Cello und Klavier op.11
Mario Blaumer, Violoncello Ÿ Stefan Litwin, Klavier

Michael Gielen: Die Glocken sind auf falscher Spur (1969)
(Melodram und Zwischenspiele mit Gedichten von Hans Arp)
Wakako Nakaso, Sopran Ÿ Jonathan Kaell, Sprecher Ÿ Olaf Präzlich, Gitarre
Mario Blaumer, Violoncello Ÿ Claudia Sgardi, Schlagzeug
Bok-Yon Chang, Klavier Ÿ Young-Jin Kim, Synthesizer

Eintritt: 15,- / 10,- €
Vorverkauf: (0681) 936 99 77 - SR am Markt
Reservierung: (0681) 96731-11 (HFM)

20. Juni 2007, 19 Uhr, Hochschule für Musik Saar, Konzertsaal
Konzert der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Saar
Stefan Litwin, Klavier Ÿ David Moss, Stimme Ÿ Theo Brandmüller, Orgel

William Byrd: The Bells
Theo Brandmüller: Vier Carillons über C-A-G-E (I + II) (1994)
I. Es ist Abend...
II. Es ist Nacht (noch) ... die Sterne singen
Claude Debussy: La cathédrale engloutie
Michael Gielen: „recycling der glocken“ (Klavierstück in sieben Sätzen) (2001)

Pause

Franz Liszt: „Carillon“
Theo Brandmüller: Vier Carillons über C-A-G-E (III + IV) (1994)
III. Morgenglocken ... mit Musette und Hahnengeschrei
IV. Nach Nirwana
Maurice Ravel: La vallée des cloches
Stefan Litwin: The Bells (Melodram mit Totentanz nach Edgar Allen Poe) (2006)

Eintritt: 6,- / 2,- € (FuF-Mitglieder frei)
Reservierung: (0681) 96731-11

21. Juni 2007, 19 Uhr, Hochschule für Musik Saar, Konzertsaal
Michael Gielen im Gespräch
Stefan Litwin unterhält sich mit Michael Gielen über dessen Leben. Dazu werden Auszüge seiner Memoiren „Unbedingt Musik“ gelesen. Umrahmt wird diese Veranstaltung durch Musik von Gielen und ihm nahe stehenden Komponisten.
Eintritt frei




Michael Gielen

Michael Gielen wurde 1927 als Sohn des Opernregisseurs Josef Gielen in Dresden geboren. Seine musikalische Karriere begann er als Korrepetitor am Teatro Colón in Buenos Aires, wohin die Familie emigriert war. 1949 gab er ein Klavierrecital mit den gesamten Klavierwerken Schönbergs. Nach der Rückkehr nach Europa 1951 wurde Michael Gielen Korrepetitor und Dirigent an der Wiener Staatsoper und begann eine erfolgreiche Konzerttätigkeit.

Neben seinem kontinuierlichen Interesse an zeitgenössischer Musik wurde er ebenso für seine herausragenden Aufführungen der Musik der Wiener Klassik und der Werke von Bruckner und Mahler bekannt. Von 1960 bis 1965 war Michael Gielen als Musikdirektor an der Königlichen Oper Stockholm tätig, 1969 übernahm er die Leitung des Belgischen Nationalorchesters Brüssel. Er dirigierte in allen wichtigen Musikzentren Europas, eine besonders enge Zusammenarbeit verband ihn mit den Rundfunkorchestern in Stuttgart, Köln, Frankfurt am Main und Wien.

In Großbritannien trat Michael Gielen häufig mit dem BBC Symphony Orchestra auf. Nachdem er mit diesem Orchester im Februar 1977 eine Aufführung von Schönbergs »Die glückliche Hand« geleitet hatte, wurde ihm die Position des Principal Guest Conductor angetragen, den er von 1978 bis 1981 innehatte.

Von 1973 bis 1976 war Michael Gielen Musikdirektor der Niederländischen Oper, von 1976 bis 1986 Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt, von 1980 bis 1986 leitete er darüber hinaus das Cincinnati Symphony Orchestra. Im Anschluss daran wirkte er bis 1999 als Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Südwestfunks Baden-Baden (des heutigen SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg). Zudem trat er regelmäßig an der Berliner Staatsoper Unter den Linden auf, seit der Spielzeit 1999/2000 ist er Principal Guest Conductor dieses Hauses.

Michael Gielens Leitungstätigkeit an der Frankfurter Oper wurde bekannt für viele künstlerisch avancierte, zuweilen kontrovers diskutierte Produktionen wie etwa die international beachteten Aufführungen von Wagners »Ring des Nibelungen« in der Regie von Ruth Berghaus. 1989 stand Michael Gielen am Pult der Berliner Philharmoniker. 1994 kehrte er mit Debussys »Pelléas et Mélisande« an die Berliner Staatsoper zurück. Im darauffolgenden Jahr dirigierte er eine Neuproduktion von Bergs »Lulu« bei den Salzburger Festspielen, später leitete er dieses Werk auch an der Staatsoper Unter den Linden. 1996 folgte eine gefeierte Aufführung von Beethovens »Fidelio« in Salzburg, im Jahre 2000 dirigierte er eine Neuinszenierung von Mozarts »Idomeneo« an der Oper Genf. Im August 1993 gab Michael Gielen zusammen mit dem SWF-Sinfonieorchester vielbeachtete Konzerte bei den Festspielen in Salzburg und Edinburgh. Im April 1996 gastierten sie in der Londoner Royal Festival Hall. Nachdem Michael Gielen 1971 erstmals in den USA das New York Philharmonic Orchestra dirigiert hatte, wurde er mehrfach zu amerikanischen Orchestern eingeladen: nach Detroit, Houston, Seattle und Cincinnati. Ebenso ist er regelmäßig beim Cleveland Orchestra, dem Pittsburgh Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra und beim Chicago Symphony Orchestra zu Gast. Darüber hinaus dirigierte er Konzerte mit dem London Symphony Orchestra im Festspielhaus Baden-Baden sowie mit dem Orchestre de Paris.

In den letzten Jahren leitete er Aufführungen von Verdis »La forza del destino« an der Berliner Staatsoper und Janáceks »Aus einem Totenhaus« an der Opéra National de Paris. Wie Mahler, Maderna oder Boulez betätigt sich Michael Gielen gleichermaßen als Dirigent wie als Komponist. Seine eigenen kompositorischen Erfahrungen erlauben ihm vertiefende Einblicke in die Musik zeitgenössischer Komponisten. Mehrfach leitete er Uraufführungen bedeutender Werke des 20. Jahrhunderts wie etwa Bernd Alois Zimmermanns Oper »Die Soldaten« oder György Ligetis »Requiem«.

Von den zahlreichen Einspielungen, die unter der Leitung Michael Gielens entstanden, ist eine Produktion von Schönbergs »Moses und Aron« hervorzuheben. Eine Michael Gielen Edition wurde mit den Aufnahmen aller neun Beethoven-Sinfonien von der EMI begonnen und von Hänssler fortgesetzt. Für seine Leistungen als Dirigent wurde Michael Gielen 2002 mit dem Cannes Classical Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Vor kurzem erschien seine Autobiographie mit dem Titel »Unbedingt Musik«.


Das “Zeitgenössische Kammerensemble
Netzwerk Musik Saar”

Das “Zeitgenössische Kammerensemble Netzwerk Musik Saar”
Im Rahmen des „Festivals“ wird zugleich eine neue Formation der Öffentlichkeit vorgestellt: das neu gegründete „Zeitgenössische Kammerensemble Netzwerk Musik Saar“.

Zu den Aufgaben des Ensembles werden insbesondere gehören:
- die Pflege des Repertoires des 20. Jahrhunderts,
- die Erarbeitung von Werken des 21. Jahrhunderts,
- die Unterstützung der jungen Komponisten der HFM

Zu den Aufgaben des Ensembles gehört auch das Bemühen um das Verständnis der zeitgenössischen Musik durch die interpretatorische Arbeit am „alten Repertoire“.

Mitglieder des Ensembles sind grundsätzlich Studierende der HFM. Sie werden von dem Leitungsteam im Benehmen mit den jeweiligen Fachlehrern ausgewählt. Mitglieder des RSO und des Staatsorchesters können ergänzend eingeladen werden, wenn die Erarbeitung entsprechender Werke das erforderlich macht.

 

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