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„Bel fiore“ Komposition/Improvisation in Mittelalter und Gegenwart zu Exponaten des Museums in der Schlosskirche Mit einer Uraufführung von Zeynep Gedizlioglu Mittwoch, 13. April 2005, 20 Uhr Schlosskirche, Saarbrücken Eintritt: 10 EUR/erm. 5 EUR Michael Dartsch, Streichinstrumente Barbara Neumeier, Blasinstrumente Lutz Gillmann, Tasteninstrumente
Stiftung Saarländischer Kulturbesitz/Saarland Museum in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar und der Akademie für Alte Musik im Saarland e.V.
Im Juli 2004 eröffnete die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz das neue Museum in der Schlosskirche (Sakrale Kunst und Kulturgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart). Die Schlosskirche war seit jeher ein Ort der Begegnung von Alt und Neu, was sich bereits in der Verbindung der historischen Architektur mit den modernen Glasfenstern von Georg Meistermann zeigt. Auch wird sie seit langem, seit 1987 vorzugsweise von der Hochschule für Musik Saar (HfM), als Konzertort für Alte und Neue Musik genutzt.
Um diese Traditionen fortzusetzen und gleichzeitig den Bogen zum Raum und seinen historischen Exponaten zu schlagen, konzipiert ein Ensemble aus Dozenten und Absolventen der HfM ein Konzertprojekt, in dem Musik, Zeit, Ort, Kunst und Architektur auf verschiedenen Ebenen in einen Dialog treten:
Das Spannungsfeld zwischen Komposition und Improvisation wird im Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart ausgelotet. Dies zeigt sich in der Verwendung verschiedener historischer und moderner Streich-, Blas- und Tasteninstrumente (wie Fiedel, Geige, Schalmei, Dudelsack, Blockflöte, Orgel, Cembalo) und musikalischer Stile (historische Improvisation, frei improvisierte Musik, Jazz, Neue Musik). Kompositorisches Repertoire und Ausgangsmaterial für die Improvisationen sind zwei frühe italienische Sammlungen genuiner Instrumentalmusik um 1400 (Codex Faenza, Codex London), die im Zentrum des Konzertes stehen.
Dabei soll auf vielfältige Weise der Bezug zum Ort (z.B. verschiedene Positionen im Raum) und zu einzelnen Exponaten (z.B. geistliche Musik zu Marien- und Heiligenstatuen) geschaffen werden.
Schon das Mittelalter lebte von der Begegnung unterschiedlicher Kulturkreise. Um auch auf dieser sozusagen «multikulturellen» Ebene die Idee des Dialogs mit der Gegenwart weiterzuführen, entschloss sich das Projektensemble, einen Kompositionsauftrag an die türkische Komponistin Zeynep Gedizlioglu zu vergeben, in deren Arbeit vielfältige musikalische Sprachen miteinander kommunizieren.
Samstag, 16. April 2005, 19 Uhr Öffentliche Generalprobe 11 Uhr Mauritius-Studio der Hochschule für Musik Saar MEHRKLANGORCHESTER BERLIN Neue Musik aus Italien Eintritt: 10 EUR/erm. 5 EUR
Die Reihe wird fortgesetzt mit einem Auftritt des „Mehrklangorchesters Berlin“ am Samstag, den 16. April 2005, 19 Uhr, im Mauritius-Studio Saarbrücken. Um 11 Uhr findet am gleichen Ort eine öffentliche Generalprobe statt. Das Mehrklanorchester präsentiert Neue Musik aus Italien mit Uraufführungen von Vincenzo de Filippo, Alessio Elia u.a.
Die italienische Musik lebt. So könnte man das Motto des Konzertes des Berliner Mehrklangorchesters im Rahmen der Veranstaltungsreihe Italianitá – Italienische Kunst und Kultur zwischen Renaissance und Gegenwart nennen. Neben Werken von etablierten Komponisten der zeitgenössischen Musik aus Italien (Berio und Scarrino) stehen gleich zwei Uraufführungen von Alessio Elia und Vincenzo di Fillippo auf dem Programm. Damit wird Netzwerk Musik Saar zu Anfang seiner Veranstaltungsreihe Italianitá dem Publikum einen hochinteressanten Einblick in die aktuelle und aktuellste Musik Italiens bieten.
Das Mehrklangorchester Berlin gründete sich 2003 als Ensemble für zeitgenössische Musik. In der kompletten Besetzung spielen sechs MusikerInnen, die sich über eine Arbeitsphase der Musikfabrik Nordrhein Westfalen und über gemeinsame Projekte kennen lernten. Bei den musikalischen Inhalten ist es dem Ensemble wichtig, neben dem Repertoire der Neuen Musik insbesondere auch eigene Auftragskompositionen an junge Komponisten zu vergeben und diese in direkter Kommunikation mit den Komponisten zu erarbeiten. So wurden bereits mehrere Stücke unterschiedlicher Besetzung eigens für das Ensemble komponiert.
Neben der Interpretation dezidiert komponierter Musik werden insbesondere auch die Grenzbereiche zur improvisierten Musik (Comprovisation) erkundet, wie sie sich zum Beispiel in der Musik Vinko Globokars finden, mit dem ebenfalls eine Zusammenarbeit stattfand. Für zukünftige Projekte stehen verstärkt die Möglichkeiten der medialen Erweiterung des Bühnengeschehens und die Einbeziehung weiterer Kunstformen zur Diskussion.
MO, 02.05.2005, 19.00 h HFM-Konzertsaal Omaggio a Petrarca (I): „Or che ’l ciel et la terra e ’l vento tace...“ 7 Gedichte aus Petrarcas Canzoniere in Parallelvertonungen aus 7 Jahrhunderten von Orlando di Lasso, Monteverdi, Schubert, Liszt u.a. Sänger und Instrumentalisten der HFM Leitung: Lutz Gillmann Sprecherin: Margit Reinhard-Hesedenz
Als Hommage an Francesco Petrarca präsentieren Sänger und Instrumentalisten der Hochschule für Musik Saar am Montag, den 2. Mai 2005, 19.00 Uhr, im Konzertsaal der Musikhochschule das Programm „Or che ’l ciel et la terra e ’l vento tace...“ . Im Mittelpunkt des Repertoires stehen sieben Gedichte aus Petrarcas Canzoniere , die in Parallelvertonungen aus sieben Jahrhunderten von Orlando di Lasso, Monteverdi, Schubert, Liszt u.a. aufgeführt werden. Das Konzert unter der Leitung von Lutz Gillmann ist eine Begleitveranstaltung zur aktuellen Petrarca-Ausstellung des Saarlandmuseums und wird von Netzwerk Musik Saar in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar und der Akademie für Alte Musik im Saarland veranstaltet. Die Texte in deutscher Übersetzung spricht Margit Reinhard-Hesedenz. Der Eintritt beträgt 10,- / 5,- €.
Die Veranstaltung begleitet die Ausstellung Francesco Petrarca – Triumph des Ruhms, Werke aus der Sammlung Reiner Speck der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz in der Alten Sammlung des Saarlandmuseums. Idee des als Huldigung (I) an Francesco Petrarca (1304–1374) konzipierten Programms ist es, dessen unterschiedlicher Rezeption anhand von Parallelvertonungen aus sieben Jahrhunderten Musikgeschichte nachzuspüren. Sieben zentrale Gedichte aus seinem Canzoniere werden in jeweils mindestens zwei Vertonungen präsentiert, ergänzt von Petrarca-inspirierter Instrumentalmusik. Ausgangs- und Zielpunkt ist das Sonett «Or che ’l ciel et la terra e ’l vento tace…» (u.a. in der berühmten Vertonung von Claudio Monteverdi). Das Spektrum der Kompositionen reicht von der italienischen Ars nova des 14. Jahrhunderts (Jacopo da Bologna) über Orlando di Lasso, Schubert, Liszt u.a. bis ins 20. Jahrhundert (Elliott Carter, Henri Pousseur).
Podiumsdiskussion: Francesco Petrarca. Literatur – Kunst – Musik Mittwoch, 25. Mai 2005, 19.30 Uhr, im Saarlandmuseum
Anlässlich der Ausstellung Francesco Petrarca – Triumph des Ruhms. Werke aus der Sammlung Reiner Speck und im Rahmen von Italianità 2005 findet in Zusammenarbeit mit Netzwerk Musik Saar eine Podiumsdiskussion zum Werk und Schaffen Petrarcas statt.
Wie kaum ein anderer hat es Francesco Petrarca (1304-1374) zu Ruhm und Ansehen gebracht: Noch heute gilt er als eine der bedeutendsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte, der durch seine Beschäftigung mit der Literatur und Philosophie der Antike der Renaissance den Boden bereitet hat. Seine Wirkung in Literatur, Kunst und Kulturgeschichte sowie seine Bedeutung als einer der Väter des Humanismus ist gar nicht zu überschätzen und bis heute spürbar.
An der Podiumsdiskussion nehmen teil:
Prof. Dr. Karlheinz Stierle (Uni Konstanz), Autor und Herausgeber der neuesten großen Petrarca-Biographie, Dr. Florian Neumann (Uni München), Petrarca-Biograph und Kurator der Ausstellung sowie Dr. Joachim Steinheuer (Uni Heidelberg), Musikwisschenschaftler. Die Diskussion wird von Dr. Ralph Melcher, Direktor des Saarlandmuseums, moderiert.
Sonntag, 12. Juni 2005, 17 Uhr Hochschule für Musik Saar „…per non lasciar voto l’istromento“ – seicento / novecento Tastenmusik des 17. Jahrhunderts (Frescobaldi, E. und B. Pasquini) – Neue italienische Musik mit Tasteninstrumenten (Dallapiccola, Scelsi)
Klavier, Cembalo, Orgel: Haysam Ibrahim Orsolya Nagy Reinhard Siegert Fedossia Tabyissova Koen van der Meer
Lutz Gillmann (Leitung) Christina Reiche, Mezzosopran
Eintritt 10 €, ermäßigt 5 € (Karten an der Abendkasse)
In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar und der Akademie für Alte Musik im Saarland
Das nächste Konzert der Reihe unter dem Titel „…per non lasciar voto l’istromento“ – seicento / novecento findet am Sonntag, den 12. Juni 2005, 17 Uhr, im Konzertsaal der Hochschule für Musik Saar statt. Unter der Leitung von Lutz Gillmann kontrastiert ein Ensemble der Musikhochschule Tastenmusik des 17. Jahrhunderts mit Neuer italienischer Musik. Der Titel, auf deutsch: „...um das (Tasten-)instrument nicht leer zu lassen“, zitiert eine Spielanweisung aus dem Vorwort zum Ersten Toccatenbuch (Rom 1615/16) von Girolamo Frescobaldi (1583-1643), der Schlüsselfigur der italienischen Tastenmusik des 17. Jahrhunderts (seicento). Im Zentrum des Konzerts stehen Kompositionen Frescobaldis, seiner Vorläufer und Schüler (E. und B. Pasquini). Ihnen gegenübergestellt wird neue italienische Musik mit Tasteninstrumenten von Dallapiccola, Scelsi u.a. (novecento). Karten kosten an der Abendkasse 10 €, ermäßigt 5 € (kein Vorverkauf).
Klang-Zeit-Sprünge Alte Musik und Neues Gewand Mittwoch, 29. Juni 2005, 19.00 Uhr Schlosskirche Saarbrücken Eintritt: 10,- / 5,- EUR
Werke von Palestrina, Stephen Rush, Dario Castello, Giovanni Martino Cesare, Lodovica Grassi da Viadana, Eckart Wiegräbe und Bernd Franke
Ensemble der Hochschule für Musik Saar und Gäste Leitung: Henning Wiegräbe Mit freundlicher Unterstützung der Saarland-Sporttoto GmbH
Unter dem Motto "Klang-Zeit-Sprünge" wagt Netzwerk Musik Saar im nächsten Konzert seiner Italianità-Reihe eine interessante Verknüpfung alter und moderner Instrumente in Verbindung mit Werken historischer und zeitgenössischer Komponisten. Ein Ensemble der Hochschule für Musik Saar und Gäste musizieren unter der Leitung von Henning Wiegräbe dieses spannende Konzertprojekt am Mittwoch, den 29. Juni 2005, 19.00 Uhr, in der Saarbrücker Schlosskirche. Zur Aufführungen kommen Werke von Palestrina, Stephen Rush, Dario Castello, Giovanni Martino Cesare, Lodovica Grassi da Viadana, Eckart Wiegräbe und Bernd Franke. Der Eintritt beträgt: 10,- / 5,- €. Das Konzert wird mit freundlicher Unterstützung der Saarland-Sporttoto GmbH veranstaltet.
Klang-Zeit-Sprünge
Alte Instrumente spielen zusammen mit modernen, es entstehen Kontraste durch unterschiedliche Klänge, Spielweisen, Artikulationen.
Wie kann so etwas funktionieren? Dazu werden zuerst die Instrumente mit ihren spezifischen Klängen gegenübergestellt, alte und moderne Instrumente spielen sozusagen „im Alten Stil“. Es folgt als Ausgangsbasis für eine weitere Entwicklung die Gegenüberstellung der Stile in originalen, unverfälschten Kompositionen für frühe und zeitgenössische Instrumente.
Der zweite Teil ist der Verknüpfung der Instrumente aus Sicht zeitgenössischer Komponisten gewidmet. Der Leipziger Komponist Bernd Franke nimmt ein Madrigal als Grundlage einer modernen Komposition, indem er alte Instrumente „modern“ spielen lässt und umgekehrt. Bei „I segni dei tempi“ setzt Franke zum ersten Mal eine E-Posaune ein.
Bernd Franke zu seinem Werk “I segni dei tempi per sette strumenti” (Leipzig, 6. März 2002): „Die Zeichen der Zeit sind äußerer und innerer Natur:
Notenschrift, musikalische Umgangssprache, Aufführungspraxis, Improvisation und feste Notation, Instrumente, Technik, Räume wie Kirchen, Kathedralen, Konzertsäle und Museen, verändertes Hör-Verhalten, neues Publikum, Kleidung, soziales Verhalten und vieles mehr. Es ist eigentlich unvorstellbar, welchen Entwicklungsweg die Menschen allein und in Begleitung mit IHREN Musikinstrumenten vom 15./16. Jahrhundert aus unternommen haben. Eine Theorbe und ein Zink unterliegen heute gänzlich anderen Bewertungskriterien und Hör-Maßstäben. Es ist faszinierend und ungewöhnlich zugleich. Für einen zeitgenössischen Komponisten aus dem 21. Jahrhundert also eine große Herausforderung, sich diesen Klang-Welten zu stellen. Viel Spaß beim Mit-Entdecken!“
Der Saarbrücker Consort
Das von Henning Wiegräbe 2003 gegründete Saarbrücker Consort spielt überwiegend Musik des 17. und 18. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Oberitalien und vor allem Venedig das bedeutende Musikzentrum, in dem an verschiedensten Kompositionsstilen, Formen und Besetzungen herumexperimentiert wurde. Von dort ausgehend, gelangten die neuen Ideen nach Österreich und in das übrige Europa.
Das junge Ensemble hat sich darauf spezialisiert, in variablen Besetzungen die Musik dieser innovativen, pulsierenden Zeit zu Gehör zu bringen.
Die Musiker des Saarbrücker Consort musizieren regelmäßig in führenden Barockensembles wie Concerto Palatino, Cantus Cölln, Collegium Vocale Gent, dem Freiburger Barockorchester und dem Balthasar-Neumann-Ensemble.
Barock meets Jazz Diminution und Improvisation Samstag, 16. Juli 2005, 19 Uhr Mauritius-Studio (Moltkestraße 33, Saarbrücken) Eintritt: 10 EUR/erm. 5 EUR Ensemble des Instituts für Alte Musik und Jazz-Combo der Hochschule für Musik Saar Ltg. Henning Wiegräbe, Christof Thewes
Die Italinità-Reihe von Netzwerk Musik Saar wird mit einem weiteren Crossover-Konzert fortgesetzt. Unter dem Motto "Barock meets Jazz - Diminution und Improvisation" treffen am Samstag, den 16. Juli 2005, 19 Uhr, im Mauritius-Studio (Moltkestraße 33) Protagonisten der Alten Musik mit Jazzmusikern zusammen. Es spielt die Jazz-Combo der Hochschule für Musik Saar unter der Leitung von Christof Thewes und ein Ensemble des Instituts für Alte Musik an der HFM (Leitung: Henning Wiegräbe).
In der Zeit des Barock sollte ein Konzert etwas Einzigartiges sein, kein Konzert sollte einem anderen gleichen. Der Komponist stellte sich bei der Aufführung in den Hintergrund, die Noten dienten oft nur als harmonisches und melodisches Gerüst, um das sich – nach mehr oder weniger strengen Regeln – Diminutionen, d.h. Verzierungen jeder Art rankten. Die Begleitung bestand aus einer Basslinie mit Ziffern, die relativ frei interpretiert wurde.
Der Kern des Jazz ist die Improvisation, quasi eine moderne Form der Diminution als Ausgestaltung einer Melodie oder einer Harmoniefolge nach gewissen Grundregeln.
Man spielt nach Akkorden – ähnlich den Ziffern des Generalbasses. Ausgangspunkt für die Neuerungen im musikalischen Stil um 1600 war Italien, die meisten der damals geläufigen Diminutionsschulen erschienen auch dort im Druck (Ortiz, Ganassi, Bassano, Brunelli). Deshalb liegt es nahe, eine Verbindung zwischen den Stilen mit Musik aus Italien zu beginnen. Jazz und barocke italienische Musizierpraxis begegnen sich im gemeinsamen Prinzip der Improvisation über vorgegebene Modelle und lassen den Zuhörer die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Musikrichtungen aus einem völlig neuen und überraschenden Blickwinkel erscheinen.
Tanz mir das Lied vom Tod Franco Evangelisti: «Die Schachtel» und Choreographie von Marguerite Donlon nach Ennio Morricone
Premiere: Samstag, 29. Oktober 2005, 19.30 Uhr, SST-Alte Feuerwache, Saarbrücken weitere Aufführungen im November und Dezember 2005 und im Januar 2006 in der Alten Feuerwache Saarbrücken, sowie am 26. November 2005, 11., 12. Januar 2006 im Théâtre National du Luxembourg
«Die Schachtel» (1962/63) von Franco Evangelisti gehört zu den radikalsten Konzepten des Musiktheaters. Das Werk, nach einem Libretto des Malers Franco Nonnis, markiert im Schaffen Evangelistis den Kulminationspunkt seines Komponierens. Evangelisti durchbricht konsequent jeglichen Bezug zwischen Musik und Text. Musikalisch vereint er Komposition, Improvisation und Elektronik in einer offenen Struktur, deren konkrete Ausarbeitung er in die Hände der jeweiligen Inszenierung legt. Evangelisti selbst führte dazu aus: «Wie sich das szenische ‹Spiel› aller Elemente während der Aufführung entfaltet, ist sowohl das Thema als auch dessen Durchführung, ist der Gegenstand des Experimentierens und das Experiment selbst, jetzt und in Zukunft.» In der flexiblen Verbindung von Sprach- und Klangeffekten, mimisch-tänzerischer Aktion, Licht und Projektionen ist «Die Schachtel» in ihrer Konzeption bis heute visionär. Trotzdem ist sie mehr vom Hörensagen als aus eigener Anschauung bekannt.
Deshalb will Netzwerk Musik Saar durch eine grenzüberschreitende Produktion an zwei Häusern, dem Saarländischen Staatstheater Saarbrücken und dem Théâtre National du Luxembourg dem Werk zu neuem Leben verhelfen.
Das Ensemble InZeit wird das Werk in Zusammenarbeit mit den beiden Theatern musikalisch realisieren. InZeit widmet sich hauptsächlich musikalisch experimentellen Konzerten sowie zeitgenössischen und multimedialen Performance-Konzepten.
Die Einbeziehung des Tanztheaters stellt in der Interpretation der Partitur ein Novum dar. Choreographie und Inszenierung wird die Saarbrücker Ballettdirektorin Marguerite Donlon übernehmen, die über langjährige Erfahrungen in der tänzerischen Umsetzung von zeitgenössischer Musik verfügt. Die Choreographie entsteht in enger künstlerischer Zusammenarbeit mit den Musikern und ihrer Company.
Die zweite Hälfte des Theaterabends bildet eine Choreographie nach Musik von Ennio Morricone. Die Mitwirkung Morricones an der von Franco Evangelisti initiierten Gruppo di improvvisazione Nuova Consonanza zeigt den Komponisten von einer wenig bekannten, für viele überraschenden Seite. Die überlieferten Improvisationen, die unter der gemeinsamen Mitwirkung von Franco Evangelisti und Ennio Morricone entstanden, setzen musikalisch an der Schachtel an. Marguerite Donlon wird sich in ihrer Choreographie darüber hinaus auch mit bekannten Film- und Westernmusiken Ennio Morricones auseinandersetzen.
Die Koproduktion „Tanz mir das Lied vom Tod“ setzt einen neuen Akzent in den kulturellen Initiativen des Fördervereins Netzwerk Musik Saar. Erstmals ist es gelungen, ein interregionales Netzwerk herzustellen.
Die neue Qualität grenzüberschreitender Zusammenarbeit zwischen Saarländischen und Luxemburger Kultureinrichtungen versteht sich zugleich als Pilotprojekt für Kooperationen im Rahmen des Programms zur Kulturhauptstadt der Regionen 2007.
Inszenierung und Choreographie: Marguerite Donlon Musikalische Einrichtung: Andreas Wagner und Claas Willeke Videoprojektionen, Lichtinstallation: Lutz Deppe
Ballett des Saarländischen Staatstheaters/Donlon Dance Company Ensemble InZeit; Leitung: Jonathan Kaell
Neues Musiktheater PoppeaMaterial Musik: Claudio Monteverdi und Claas Willeke (UA)
eine Produktion von pazzaCaglia Opera Inszenierung: Marco R. Heißgluth Ausstattung: Ingo Bracke Dramaturgie: Sabine Göttel
Aufführungen Saarbrücken: 10. und 12. November 2005, 19 h 30, Opernstudio St. Mauritius, Moltkestr., 66117 SB Köln: 17. und 18. November 2005, 20 h, Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 K
Informationen www.pazzacaglia.de
Karten pazzacaglia@gmx.de, 0681/589 49 14 (Saarbrücken), 0221/973 15 50 (Köln)
Wer vermag Nero und Poppea in ihrem Taumel aus Leidenschaft und Machtgier zu stoppen? Liebeshungrig und karrieresüchtig zugleich, geraten Kaiser und Kurtisane in den Bann fanatisch beschleunigter Gefühle. Ihre rigorose neue Moral: Der Zweck heiligt die Mittel. Ihre Opfer: Die betrogene Ehefrau und der verlassene Geliebte. Fazit: Sind verlässliche Liebe und dauerhafte Treue Werte einer im Untergang begriffenen Ordnung?
Monteverdis L’incoronazione di Poppea, entstanden 1642/43, ist ein Kammerspiel aus dem Zentrum der Macht. Das darin entfaltete Pandämonium menschlicher Gefühle trägt wesentlich dazu bei, dass diese frühe Oper den Sprung in die Gegenwart mühelos schafft: Wie im Brennspiegel erscheint das Drama um Liebe und Leidenschaft in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs. Der Charakter der barocken Musik jedoch wird meist als rein kulinarisch begriffen. Die bereits bei Monteverdi musikalisch angelegte Zerrissenheit der Figuren, die Unentschiedenheit ihrer Gefühle, die Irritationen im Herrschaftsgefälle verdienen es, wieder stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt zu werden.
Gemeinsam mit dem Komponisten Claas Willeke und Regisseur Marco R. Heißgluth hat sich pazzaCaglia dieser Bruchstellen angenommen und einen Dialog zwischen frühbarocker Oper und Neuer Musik angeregt. Die neu arrangierten Szenen von PoppeaMaterial bleiben auf die wichtigsten Protagonisten konzentriert und zeichnen den Handlungsverlauf des Originalwerks nach. Elektronik, klangliche Verfremdung und Improvisation, historische und heutige Gesangspraxis verschmelzen zu einer eigenen Klangsprache, die durch Kontrastierung, Modulation und Durchdringung in vielfältige Beziehungen zur Musik Monteverdis tritt. Saxophon, akustische und elektrische Gitarre, Laute, Violoncello, Cembalo und Gesangsstimmen – darunter ein Jazz- und Pop-Sänger - werden sowohl in den Original- als auch in den neu komponierten Anteilen eingesetzt. Die handelnden Figuren reiben sich am schönen Schein „modischer“ Klangflächen.
Im Spannungsfeld zwischen Alter und Neuer Musik beleuchtet PoppeaMaterial Historie, Innenleben der Charaktere und Zeitbezüge neu: In welchem Aggregatzustand befindet sich die Liebe als Gefühlswert zu Beginn des neuen Jahrtausends? Existiert sie überhaupt noch als Verheißung und Glücksanspruch? Oder erscheint sie hoffnungslos überlagert vom Zwang, das Intime in den Containern der Spaßgesellschaft öffentlich zu verhandeln? Wird die Liebe ihre Sprengkraft als deeskalierender, befriedender Faktor im Zusammenleben der Menschen bewahren oder zukünftig nur in den Extremen fanatisch-terroristischer Beschleunigung und privater Biederkeit lebbar sein?
Aufführungsort für diese experimentelle szenische Klang- und Gefühlsrecherche ist das Operstudio St. Mauritius, dessen Architektur – ein Ensemble aus historisch-sakralen und modernen Elementen – den Grundgedanken der Produktion widerspiegelt.
Begleitend zur Aufführung veranstaltet tertium comparationis e.V am 11. und 12. November 2005 in Saarbrücken das interdisziplinäre Kolloquium Monteverdis Poppea heute: Aus musik-, literaturwissenschaftlicher und komparatistischer Sicht präsentieren internationale Forscher neue Beiträge zu historischen und aktuellen Aspekten des Poppea-Stoffes.
pazzaCaglia hat sich auf die italienische Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert und bereits mehrere barocke Musiktheater-Produktionen realisiert (L. Rossis L’Orfeo 2001, F. Cavallis Scipione Africano 2002, La Pazzia oder Die Anatomie der verrückten Gefühle 2003). Im Mai 2002 wurde in Zusammenarbeit mit der musikFabrik NRW die Auftragskomposition Knochenspiel von Tobias Schwencke am Saarländischen Rundfunk uraufgeführt. Diese Erfahrungen führten zu dem Wunsch, Alte und Neue Musik in einem abendfüllenden Konzept zu verbinden.
Claas Willeke
beschäftigt sich in seinen Kompositionen mit der Verbindung von akustischen und elektronischen Klangmitteln. Als Komponist für die Bühne hat er sich bereits mit älteren musikalischen Vorlagen auseinandergesetzt, so z.B. mit Bizet in Carmen – privat und mit Barockmusik in Zettels Sommernachts Traum (Saarländisches Staatstheater Saarbrücken).
Besetzung Kirstin Hasselmann, Sopran (Poppea) Ralf Peter, Soprano (Nerone) Claudia Kemmerer, Mezzosopran (Ottavia) Cem Arnold Süzer, Pop- und Jazz-Sänger (Ottone) Gerlind Puchinger, Laute Lutz Gillmann, Tasteninstrumente Johannes Loescher, Violoncello Frank Wingold, E-Gitarre, akustische Gitarre Claas Willeke, (Live-)Elektronik und Saxophon
Kompositionsauftrag von Netzwerk Musik Saar
Veranstalter Netzwerk Musik Saar im Rahmen von "Italianità - Italienische Musik und Kunst zwischen Renaissance und Gegenwart", Kölner Gesellschaft für Neue Musik, Alte Feuerwache Köln und pazzaCaglia
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar und der Akademie für Alte Musik im Saarland
gefördert von Kunststiftung Nordrhein-Westfalen, Landeshauptstadt Saarbrücken, Kultusministerium des Saarlandes, Kulturamt der Stadt Köln
Giacomo Carissimi (1605 - 1674) zum 400. Geburtstag Kantaten des italienischen Frühbarock – Crossover-Improvisationen über ostinate Bässe des Seicento
Montag, 30. Januar 2006, 19 Uhr, Hochschule für Musik Saar Eintritt: 10 EUR / 5 EUR
Sänger und Instrumentalisten der Hochschule für Musik Saar Leitung: Lutz Gillmann
Netzwerk Musik Saar in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar und der Akademie für Alte Musik im Saarland e.V
Dieses Projekt ist Giacomo Carissimi (1605 - 1674) zum 400. Geburtstag gewidmet, einem der europaweit bedeutendsten Komponisten und Lehrer des 17. Jahrhunderts (zu seinen Schülern zählten z.B. Johann Philipp Krieger, Christoph Bernhard, Marc-Antoine Charpentier). Er prägte das Musikleben Roms, des Zentrums barocker Prachtentfaltung, und beeinflusste die Entwicklung der Vokalmusik ganz entscheidend: Der Musikwissenschaftler Günther Massenkeil nennt Carissimis Kantaten «lebendige Zeugnisse eines frühen Belcanto-Stils» und spricht von der «Vielfalt ihrer ariosen und rezitativischen Formgebung und ihres affektuosen und bildhaften Ausdrucks».
Im Mittelpunkt des Konzerts stehen diese weltlichen, generalbassbegleiteten Kantaten des italienischen Frühbarock, die mit Crossover-Improvisationen über ostinate Bässe des Seicento kombiniert werden. Über einem beständig wiederholten Bassmodell und/oder Harmonieschema zu musizieren, war nicht nur im 17. Jahrhundert äußerst beliebt, sondern findet sich auch im 20./21. Jahrhundert wieder, z.B. nicht zuletzt im Jazz – das Ostinato bildet die zeitlose Konstante in einem historischen Spektrum musikalischer Sprachen und Stile.
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