|
Tage für Interpretation und Aufführungspraxis Saarbrücken 2003 14. - 17. Oktober 2003 Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater Musik und politische Utopie
Dozenten/Faculty
Streicher/Strings
Pellegrini-Quartett Ulf Hoelscher (Vl), MH Karlsruhe Gustav Rivinius (Vc), HMT Saarbrücken
Bläser/Winds Eduard Brunner (Kl), HMT Saarbrücken
Gesang/Voice Mira Zakai, Rubin Music Academy Tel Aviv
Klavier/Piano Axel Bauni, UdK Berlin
Stefan Litwin, HMT Saarbrücken Tatevik Mokatsian, HMT Saarbrücken Yukiko Sugawara
Komposition/Composition Theo Brandmüller, HMT Saarbrücken
Gast/Special Guest Nuria Schoenberg-Nono
Die von der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Zusammenarbeit mit Netzwerk Musik Saar veranstalteten Tage für Interpretation und Aufführungspraxis stehen 2003 unter dem Thema „Musik und politische Utopie.”
Neben Werken des traditionellen Repertoires (von Bach bis Brahms) soll insbesondere Musik von solchen Komponisten erarbeitet werden, die ihre Stücke bewusst in einen politischen Kontext stellen, um damit entweder auf reale Ereignisse zu reagieren oder um eine Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins zu erwirken.
Unter diese Kategorie fallen viele Komponisten des 20. Jahrhunderts, wie zum Beispiel Charles Ives, Hanns Eisler, Paul Dessau, Kurt Weill, Stefan Wolpe, Luigi Nono, Nicolaus A. Huber, Frederic Rzewski, Cornelius Cardew, Christian Wolff und John Cage.
Der thematische Schwerpunkt soll darüber hinaus ermöglichen, Werke der gängigen Literatur aus veränderter Perspektive zu betrachten, um auch hier in Analogie zu explizit sozialkritischen Werken mögliche politische Aspekte aufzudecken.
Aus dem Umgang mit konkret politischer Musik des 20. Jahrhunderts soll also auch Einsicht in Kompositionen früherer Epochen gewonnen werden, weil eine vergleichende Betrachtungsweise nicht nur frischen Zugang zu alt Bekanntem gewähren kann, sondern auch, weil im geschichtlichen Spannungsfeld manch eine vermeintlich als historisch abgewertete Musik wieder an Aktualität gewinnen kann.
Unterricht
Jedem aktiven Teilnehmer oder Ensemble wird Unterricht mit einer Auswahl von Dozenten angeboten, wobei das Zusammenwirken von Streichern, Pianisten, Sängern, Komponisten und Musikwissenschaftlern eine wichtige Rolle spielt. Ein Pianist kann, beispielsweise, auch von einem Streicher unterrichtet werden, ein Streichquartett von einem Komponisten, ein Klaviertrio von einem Sänger, etc. Diese Arbeitsweise erlaubt, einem breiten Spektrum werkbezogener Fragen nachzugehen, statt sich auf individuelle instrumentaltechnische Probleme zu beschränken.
Interpretenworkshop
Der Interpretenworkshop bietet den Studierenden die Möglichkeit, vor der Dozenten- und Studentenschaft in einer kooperativen Atmosphäre aufzutreten. Als Bindeglied zwischen Einzelunterricht und öffentlicher Aufführung soll der Interpretenworkshop unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen lebendigen Meinungsaustausch über Kriterien der Interpretation, wie Tempo, Stil oder Aufführungstradition anregen. Eine soeben gehörte Aufführung kann so zu einer Vielzahl womöglich auch widersprüchlicher Vorschläge führen. In dieser Weise werden Fragen erörtert, die mit dem historischen Hintergrund eines Werkes, mit kritischen Editionen, mit Aufführungspraktiken oder mit bestimmten Notationsweisen eines Komponisten zu tun haben. Die Beziehung, die zwischen politisch engagierter Musik des 20. Jahrhunderts und Werken der kanonischen Literatur besteht, wird ebenfalls Gegenstand der Diskussion sein.
Der Sinn des Workshops ist einerseits, das zu spielende Werk tiefer zu ergründen, andererseits, jene Fragen zu formulieren und zu beantworten, die sich ein Musiker bei der Vorbereitung eines Werkes stellen muß. Obschon die Bedeutung von musikalischem Gefühl und künstlerischer Intuition nicht unterschätzt werden darf, beruht der Unterricht auf dem Gedanken, dass viele interpretatorische Entscheidungen auf Wissen basieren können und sollen.
Öffentliche Begleitveranstaltungen
Dienstag, 14. Oktober 2003, 19 Uhr KONZERT mit Eduard Brunner, Yukiko Sugawara und dem Pellegrini-Quartett (Werke von Lachenmann, Beethoven und Nicolaus A. Huber)
Mittwoch, 15. Oktober 2003, 19 Uhr LECTURE-RECITAL zu Leben und Werk Luigi Nonos mit Nuria Schoenberg Nono und Stefan Litwin
Donnerstag, 16. Oktober 2003, 19 Uhr KONZERT mit Ulf Hoelscher, Gustav Rivinius und Stefan Litwin
Charles Ives, The Anti-Abilitionist Riots in the 1830s and 40s Stefan Litwin, Klavier
Stefan Litwin, Lyon 1943 - Pièce de Resistance Stefan Litwin, Klavier
Charles Ives, Thoreau (Klavier-Sonate Nr. 2 “Concord”) Stefan Litwin, Klavier
Stefan Litwin, Thoreaus Nightmare Stefan Litwin, Klavier
Pause
Charles Ives, 2. Violin-Sonate Autumn - In the Barn - The Revival Ulf Hoelscher, Violine Stefan Litwin, Klavier
Charles Ives, Klavier-Trio Moderato - TSIAJ - Allegro moderato Ulf Hoelscher, Violine Gustav Rivinius, Violoncello Stefan Litwin, Klavier
Eintritt: 10,- Euro/Konzert. Schüler und Studenten frei.
Freitag, 17. Oktober 2003, 17 Uhr Öffentliches Abschlusskonzert der Kursteilnehmer
Eintritt frei
Es wird versucht, möglichst vielen aktiven Teilnehmern eine öffentliche Aufführung zu ermöglichen. Über die Auswahl entscheiden die Dozenten gemeinsam.
Repertoire
Bewerber werden gebeten, eine Liste von mindestens drei Kompositionen zur Auswahl einzureichen. Die vorgeschlagenen Werke müssen von kompositorischer Substanz sein, um eine vertiefende Arbeit im Einzelunterricht und Workshop zu ermöglichen. Mindestens eines dieser Werke sollte zu Beginn der Projekttage aufführungsreif vorbereitet sein. Ist ein Klavierbegleiter erforderlich, bittet die Organisation um frühzeitige Mitteilung.
|